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Case IH Magnum - Generation I

Case IH Magnum 7110-7140

Case IH Magnum – Amerikanische Gewalt

 

Wer kennt sie nicht, leicht abfallende, eckige Motorhauben mit schwarzen Akzenten, großflächig verglaste Kabinen im amerikanischen Stil sowie ein mächtiges Auspuffrohr aus welchem sich am A-Holm die Abgase des Cummins Sechszylindermotors befreien. Die Rede ist von der Case IH Magnum Baureihe der ersten Generation.

Mit vier Modellen von 155-246 PS startete Case IH Ende der 1980er Jahre seinen ersten Versuch, Großtraktoren auf dem deutschen Markt zu etablieren. Für viele Landwirte und besonders Lohnunternehmer wurden Traktoren mit größeren Leistungsreserven seit den 70er Jahren immer interessanter. Ein Großtraktor wie der Case IH Magnum versprach, im Vergleich zu mittelgroßen Traktoren, nicht nur eine höhere Schlag- und Zugkraft, sondern ebenfalls einen Modernen Arbeitsplatz mit Klimaanlage, hydropneumatischem Sitz, verstellbarem Lenkrad und ausgezeichneter Rundumsicht. Die Kabine ist sehr gut isoliert und mit 73 db deutlich leiser, als die der Konkurrenz.

Case IH Magnum – Ein Kraftwerk von Cummins

Case IH Magnum 7140 Details Motor

Vier Modelle standen zur Auswahl -  zwischen dem „kleinen“ 7110 und dem „großen“ 7140, liegen noch die Modelle 7120 & 7130. Alle Maschinen aus der Magnum Baureihe werden von dem gleichen Motor befeuert, einem Sechszylinder Cummins mit Turboaufladung und rund 8,3 Litern Hubraum. Beim Topmodell, 7140, wird die aufgeladene Verbrennungsluft vor der Zuführung in den Brennraum noch mittels eines Ladeluftkühlers heruntergekühlt. Das erhöht nicht nur den Wirkungsgrad, sondern spart auch Diesel. Der drehmomentstarke Langhuber im Case genehmigt sich unter Volllast gerne den ein oder anderen Liter mehr als vergleichbare Schlepper seiner Klasse. Der 360 Liter fassende Kraftstofftank ist für einen normalen Arbeitstag jedoch ausreichend. Anders als bei vielen Schleppern dieser Zeit üblich, verbirgt sich beim IHC Magnum die Luftansaugung, ebenso wie der Auspuff, nicht auf der Haube, dies ermöglicht einen freien Blick auf den vorderen Arbeitsbereich. Unter der bulligen Motorhaube wird die Ansaugluft doppelt gereinigt. Die Luft durchläuft, bevor Sie in den zweistufigen Filter gelangt, einen Zyklon, welcher abgeschiedene Verunreinigungen direkt zum Auspuff ableitet. Durch die hohen Temperaturen wird der Staub hier verbrannt. Mit einem thermostatisch geregelten Lüfter von außen und Wasser von innen wird die Überhitzung des Motors verhindert. 

 

Powershift Getriebe - noch nicht ausgereift

 

 

Unter Last lässt sich das 18/4 Powershift Getriebe komplett durchschalten mit nur einem Hebel und ohne das Betätigen der Kupplung. Der Gangwechsel erfolgt dabei mechanisch-hydraulisch über Lamellenkupplungen aber teilweise unter starkem Rucken. Eine Reduziergruppe ohne Untersetzung ermöglicht das Arbeiten im Kriechgangbereich, der Magnum kommt so auf 23 Vorwärtsgänge. Das Kupplungspedal wird zum Anfahren und abbremsen benötigt, alle anderen Schaltvorgänge lassen sich ohne Fußtritt realisieren. In den Gängen 13-18 erfolgt der wechsel der Fahrstufe über eine Reibkupplung, was den Komfort bei Straßenfahrten deutlich gegenüber dem im Arbeitsbereich erhöht. Um den Boliden in die Rückwärtsbewegung zu versetzen, ist es von Nöten, die Schaltgasse zu wechseln, da die Rückwärtsgänge nicht in einer Abstufung liegen. Der Wendekreis des Case IH Traktors liegt bei knapp 13 Metern, was für einen Schlepper dieser Klasse jedoch normal ist. 

Ausbaufähig - Die Hubkraft des Case Magnum

Die Hubkraft – des Magnums größte Schwäche

 

Der amerikanische Markt wird primär von gezogenen Anbaugeräten bestimmt, darauf ist die Vergleichsweise schwache Hubkraft zurückzuführen, auf die es in Übersee nur sekundär ankommt. Die ersten Modelle welche in Deutschland ankamen verfügten lediglich über unterdurchschnittliche 5,7 Tonnen Hubkraft. Durch stärkere Hubzylinder wurde dieser Wert aber zeitnah um gute 2 Tonnen erhöht. Die EHR lässt sich leider nicht extern bedienen, hebt die Gerätschaften jedoch sanft und schnell hoch und runter. Die Regelung nach Zugwiderstand erfolgt über ein Drehrädchen, der Schnellaushub erfolgt zügig über einen Kippschalter. Vier einfach- und doppeltwirkende Steuergeräte lassen sich vom Fahrersitz nicht nur bequem bedienen, die Ölmenge kann auch für jedes Steuergerät einzeln angepasst werden. Ein Ausstattungsmerkmal welches zu dieser Zeit kaum verbreitet war. Knapp 200 Liter Getriebe- und Hydrauliköl sind alle 1.000 Betriebsstunden zu wechseln, was das größte Manko in der Wartung darstellt, Filter und andere Verschleißteile sind gut zugänglich angebracht. Ein Fronthubwerk sowie eine Frontzapfwelle waren ebenfalls lieferbar, wenn auch nicht häufig anzutreffen.

Case IH Magnum Generation I

Kraftpaket Case Ih Magnum 7140 mit Doppelbereifung

Der Case IH Magnum überzeugte bei vielen Landwirten und Lohnunternehmern insbesondere durch seinen Motor, der mit seinem hohen Drehmoment nur schwer kleinzukriegen ist. Das Getriebe ermöglicht ein arbeiten ohne Leistungsverlust und Drehmomentabfälle. Es konnte aber in puncto Komfort, gerade bei Ackerarbeiten, aufgrund der mechanisch-hydraulischen Schaltung nicht punkten. Die gute Schaltbarkeit bei Transportarbeiten sowie der komfortabel eingerichtete Arbeitsplatz, gleichen dies aber aus. Bei Freunden von Youngtimern ist der Case IH Magnum der ersten Generation ohnehin schon eine Ackerlegende.

 

Technische Daten vom Magnum  findet ihr hier:

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Marco (Donnerstag, 28 Juni 2018 20:29)

    Gut geschriebene Zusammenfassung über den Magnum. Ich denke, man kann ruhig erwähnen, dass der Schlepper bei seinem Erscheinen 1987 zumindest auf dem amerikanischen Markt seiner Zeit voraus war und vom großen Konkurrenten erst 1995 überboten wurde. Ergänzen möchte ich, dass IH schon vor dem Zusammenschluss mit Case am Magnum gearbeitet hat und z.B. die Kabine inkl. Seitenkonsole, das Getriebe und die Hinterachse sowie der Rahmen quasi von IH sind.

    Ich freue mich auf weitere Blogs.

    Gruß
    Marco

  • #2

    Frederic (Donnerstag, 28 Juni 2018 21:21)

    @Marco
    Hallo Marco, vielen Dank für dein tolles Feedback und die Ergänzungen zu meinem Beitrag :)